„Kanak Sprak” im Kurhaus - 13. November 2006

Eine interessante Multi-Kulti-Lesung kann man heute Abend im Kurhaus erleben. Feridun Zainmoglu (41) hatte seine Schriftstellerkarriere 1995 mit einem Paukenschlag begonnen, mit „Kanak Sprak” protokollierte er die Lebensgeschichten türkischer Einwandererkinder. Im Kurhaus wird er heute aus seinem neuesten Werk lesen.

Sein jüngstes Meisterwerk: der von der Kritik teilweise euphorisch gefeierte Roman „Leyla”. Zaimoglu beschreibt hier aus der Perspektive eines heranwachsenden Mädchens das Leben in einer anatolischen Kleinstadt der 50er Jahre. Er erzählt die Vorgeschichte jener türkischen Immigranten, die in den 60er Jahren in die BRD kamen. Die Rezensentin der „Süddeutschen Zeitung” nannte dieses Buch schlicht und einfach „beglückend”.


Mit „Leyla” hat dieser Autor ein Thema gefunden, dessen Wucht er sprachlich wie inhaltlich gerecht wird. Er spielt nicht mit ihm, sondern er setzt sich mit ihm auseinander. Leyla und ihr anatolischer Frauenaufbruch sind dem Autor ein echtes Anliegen. Und der Leser ahnt, was eigentlich eine banale Erkenntnis ist: All die Frauen, die manchen so austauschbar, weil unscheinbar erscheinen, sind Individuen.


Feridun Zainmoglu


Feridun Zaimoglu, der 1965 mit seinen Eltern nach Deutschland kam, wohnte bis 1985 in Berlin und München, seitdem lebt er in Kiel. Nach angefangenem Studium der Medizin und der Kunst arbeitet er als freier Schriftsteller. Als Journalist schreibt er Literaturkritiken und Essays, u.a. für „Die Zeit”, „Die Welt”, „SPEX” und auch den „Tagesspiegel”. In den Jahren 1999/2000 war er am Nationaltheater Mannheim während der Schauspieldirektion Bruno Klimeks als Theaterdichter beschäftigt. Im Jahr 2000 drehte Lars Becker den sozialkritischen Film „Kanak Attack”, für den Zaimoglu die Buchvorlage lieferte.


Eine spannende Lesung mit einem preisgekrönten Literaten erwartet die Besucher heute um 20 Uhr im Parktheater. Gute Unterhaltung für nur zehn Euro auf allen Plätzen.