Ökologisch korrekte Aktion: Wir haben die Nase voll! - 21. November 2006

In Taschentüchern und Toilettenpapier steckt das Leid brasilianischer Indianer. Auf diesen Zusammenhang macht morgen eine Aktion der Werkstatt Solidarische Welt gemeinsam mit Augsburger Schulen aufmerksam. Von 11 und 14 Uhr informiert in der Annastraße ein Stand samt Straßentheater über Recyclingpapier und Papierverbrauch im Land.

„Procter & Gamble” kauft für seine Hygienepapier-Produkte wie etwa Tempo-Taschentücher und Charmin-Klopapier Zellstoff von der Firma „Aracruz Celulose” in Brasilien. Auch andere Firmen wie „Kimberly Clark” sind Großkunden des brasilianischen Unternehmens. „Aracruz” hat im Januar für seine riesigen Eukalyptus-Plantagen die brasilianischen Tupinikim- und Guarani-Indianer mit einer Polizeiaktion brutal von ihrem Land vertreiben lassen. Circa 120 Bundespolizisten zerstörten die Indianerdörfer Corrego do Ouro und Olho de Agua in der Region Espirito Santo. Sie feuerten mit Gummigeschossen auf die Indianer und jagten dann die Flüchtenden mit Hubschraubern. Mehr als ein Dutzend Menschen wurden verletzt.


Auf diese Vorgänge soll die Aktion in der Fußgängerzone aufmerksam machen. Von 11 bis 14 Uhr gibt es in der Annastraße aktuelle Informationen zu den Hintergründen. Ein kurzes Straßentheater macht den Konflikt anschaulich. Daneben können Passanten symbolisch die Indianer unterstützen: Wer mit einem Blasrohr die großen Papiertaschentuch-Packungen trifft, wird mit einer Packung Recycling-Tempos belohnt. Die Info-Aktion soll auch auf Video dokumentiert und mit Protestbriefen an die betroffenen Firmen geschickt werden.


Als ökologisch korrekte Alternative zu Frischfaser-Zellstoff, für den Bäume gefällt werden, empfehlen Akteure in der Fußgängerzone den Einsatz von Altpapier bei der Produktion von Taschentüchern und Klopapier. Auch für Schreibpapier und Schulhefte ist Recyclingpapier eine gute Wahl: Nach Recherchen von „Pro Regenwald” werden in Deutschland jährlich 200 Millionen Schulhefte verkauft. Das entspricht einer Menge von 16.000 Tonnen Papier. Dazu kommen Spiralblöcke (20.000 t) sowie Nebenprodukte - macht in Deutschland insgesamt 50.000 bis 60.000 Tonnen Schulmaterialien pro Jahr. Davon macht Recyclingpapier weniger als zehn Prozent aus.


Über die Probleme der brasilianischen Indianer und über Recyclingpapier informiert auch die Ausstellung „Sagt den Leuten, dass es uns gibt”. Die Ausstellung wird derzeit im Peutinger Gymnasium gezeigt.