Gleich und gleich gesellt sich gern - 22. November 2006

Kinder aus gutem Hause werden höchstwahrscheinlich später mal selbst einen gut situierten Haushalt gründen. Nicht bloß, weil sie ja besser ausgebildet werden und demzufolge gute Voraussetzungen haben, später selbst ein hohes Einkommen zu erzielen. Auch die Chancen auf eine „gute Partie” sind größer. Das belegt eine neue Studie eindeutig.

So ist es statistisch gesehen sehr unwahrscheinlich, dass ein Kind gut verdienender Eltern später einen Partner aus ärmlichen Verhältnissen heiratet. Das zeigt die aktuelle Studie von John Ermish, Marco Fancesconi und Thomas Siedler zu der Frage ökonomischer Ungleichheit und Heiratsverhalten in Großbritannien und Deutschland.


Die aufschlussreichen Analysen für Deutschland basieren auf Daten der Längsschnittstudie des Sozioökonomischen Panels (SOEP), die vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zusammen mit Infratest Sozialforschung erhoben werden. Die Zahlen fürs Vereinigte Königreich stützen sich auf die „British Household Panel Study” (BHPS), britisches Pendant zum „SOEP”. Es gehört zum Konzept beider Studien, die Lebenswege der Kinder weiter zu verfolgen. Wenn Kinder aus Befragungshaushalten einen eigenen Haushalt gründen, werden auch ihre Lebenspartner in die Befragung einbezogen.


Diese Autoren finden einen starken Generationen übergreifenden Zusammenhang zwischen langfristigem Familieneinkommen der Eltern und dem Familieneinkommen der erwachsenen Kinder. Was aber nicht unmittelbar mit dem eigenen Verdienst zusammenhängt, sondern zu 40-50 Prozent auf die Wahl des ökonomisch passenden Ehepartners zurückzuführen ist. Das gilt in Deutschland und Großbritannien für Männer ebenso wie für Frauen. Doch nicht nur in Bezug auf Herkunft und Einkommen zeigen Ehepartner starke Ähnlichkeit. Auch die Bildung spielt hier eine wichtige Rolle. Ungefähr 50 Prozent der deutschen Paare haben den gleichen Bildungsabschluss. In Großbritannien ist dieser Zusammenhang weniger deutlich. Hier sind es nur etwa 30 Prozent. Thomas Siedler, Affiliate des „DIW Berlin” und Co-Autor der Studie vermutet, dass dieser Unterschied auf die sehr frühe Differenzierung der Bildungswege in Deutschland zurückzuführen ist. „Ab der fünften Klasse begegnen sich Hauptschüler und Gymnasiasten praktisch kaum noch. Das ist in UK anders und führt wahrscheinlich zu dem überraschenden Ergebnis, dass die sonst traditionelle britische Gesellschaft ,durchlässiger' ist als die deutsche.” Siedler forscht zurzeit am Institute for Social and Economic Research (ISER) an der University of Essex.


J. Ermish, M. Francesconi and T. Siedler, Intergenerational Mobility and Martial Sorting, The Economic Journal, Nr. 116, S. 659-679, 2006.