Treten Sie ein in Augsburgs Schatzkammer - 23. November 2006

Es war ein Festakt nach Maß, den die Stadt gestern Abend anlässlich der Wiedereröffnung des Maximilianmuseums im Goldenen Saal inszeniert hatte. Die Augsburger Domsingknaben wärmten die Herzen und entzückten die Ohren mit ihrem Gesang, Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser schwärmte und auch Professor Michael Stürmer war da.

Der honorige Emeritus der Uni Erlangen schwärmte in seinem Festvortrag „Vom Glanz des Alten Reichs” - keine schlechte Zeit für Augsburg. An diese anzuknüpfen, dazu wird ab heut' das Maximilianmuseum ganz sicher einen wichtigen Beitrag leisten. Über 15 Jahre wurde am neuen Konzept für diesen „Edelstein im Augsburger Diadem” (O-Ton OB Dr. Paul Wengert) getüftelt und was herauskam, kann sich wahrlich sehen lassen. Zu den bisherigen Highlights wie den Bronzen der Augsburger Prachtbrunnen von Hubert Gerhard und Adriaen de Vries im Viermetzhof wird jetzt Augsburger Stadtplanung im ersten Stock lebendig. Monumental kommt die Chronik der stadtgeschichtlichen Abteilung daher. Besondere Höhepunkte neben den Entwurfsmodellen des Stadtwerkmeisters Elias Holl zum Neubau des Rathauses sind die weltweit einzigartigen Modelle aus dem 18. Jahrhundert. Diese hölzernen Kunstwerke legen ein eindrucksvolles Zeugnis über das Können der frühen Baumeister ab.


Tricky: lupenreine Draufsicht auf die kostbaren Münzen, Medaillen und Plaketten.

Tricky: lupenreine Draufsicht auf die kostbaren Münzen, Medaillen und Plaketten.


Nicht minder imposant ist der Festsaal - ab sofort heißt er übrigens Felicitas-Saal zu Ehren der Mäzenin Felicitas Viermetz. Hier sind all die prachtvollen Kelche, Lüster, Toilette-Artikel, Lüster und Tafelservices aus Augsburgs großer Gold- und Silberschmiede-Ära zu bestaunen. Ziemlich tricky werden in der neuen Münzabteilung alte Goldstücke, Medaillen und Plaketten präsentiert: mobile Lupen erlauben die genaue Draufsicht auf jedes der kostbaren Unikate. Am Rande: Aktuellster Neuzugang ist die älteste Augsburger Brunnenbronze, der Neptun.


Der Zeitpunkt für die Wiedereröffnung des Maximilianmuseums ist symbolkräftig gewählt. Es wurde 1856 gegründet und just im 150. Jahr der Übernahme des Namenspatronats durch Bayerns König Maximilian II. öffnet es wieder seine Pforten. Jetzt sind es fünf neu gestaltete Abteilungen, die zum Rundgang durchs Haus einladen. Auf 1.400 Quadratmetern werden in 30 Räumen über 1.200 kostbare Exponate, darunter viele Leihgaben aus Privatsammlungen und internationalen Museen gezeigt, die von Augsburgs glanzvoller Vergangenheit zeugen.


Elias Holls Degen: auf die Klinge ist in beide Blutrinnen viermal in Latein sein Wahlspruch eingeschlagen: Fide Sed Cvi Vide (Trau, schau wem).

Elias Holls Degen: auf die Klinge ist in beide Blutrinnen viermal in Latein sein Wahlspruch eingeschlagen: Fide Sed Cvi Vide (Trau, schau wem).


Professor Faltlhauser ließ es sich ob der erwarteten Kostbarkeiten nicht nehmen, sogar auf Krücken zum Festakt und anschließendem Museumsrundgang zu erscheinen. Er gratulierte den Augsburgern zu ihrer neuen Attraktion und kokettierte in seiner Festansprache, dass die Landeshauptstadt durchaus neidisch auf Augsburg blicke angesichts gleich fünf Museen, die die Stadt heuer eröffnet bzw. wiedereröffnet hat (Schaezlerpalais, Jüdisches Museum, „H2 Zentrum für Gegenwartskunst” im Glaspalast, das Mozarthaus und als Höhepunkt gestern das Maximilianmuseum. Er war voll des Lobs. „Das hat nicht nur was mit Kulturbeflissenheit zu tun, sondern mit Standortpflege. Die Attraktivität einer Dienstleistungsgesellschaft steht und fällt mit der Kultur. Ihre Museen sind ein Lockmittel an den Standort Augsburg.” Nicht unerwähnt ließ er zwar die finanzielle Unterstützung des Kulturfonds Bayern, doch das Lob für die Kulturpolitik der Stadt war unüberhörbar.


OB Wengert hatte allerdings in seiner vorangegangenen Rede mit der Lobhudelei begonnen. „Herr Professor, wir begrüßen Sie recht herzlich in Augsburg quasi als Nachfolger des Königs Maximilian II.” Es waren einfach alle gut gelaunt und das hat seine Gründe: mit dem neuen Maximilianmuseum gewährt die Stadt einen unvergesslichen Einblick in die Schatzkammer.


Beeindruckend: Die Modellkammer aus dem Rathaus

Beeindruckend: Die Modellkammer aus dem Rathaus


Das Maximilianmuseum ist ab sofort dienstags von 10 bis 20 Uhr, von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen sieben Euro Eintritt (ermäßigt 5,50 Euro). Fans der Kultursammlungen und Museen sei empfohlen, gleich eine Jahreskarte für 2007 (wir berichteten) zu kaufen, sie gilt noch fürs restliche 2006.