Zimtsterne - illegal im Regal? - 26. Oktober 2006

Die Verbraucherschutzorganisation „foodwatch” fordert eine bundesweite Rückrufaktion von Lebensmitteln, die über dem gesetzlichen Grenzwert für Cumarin liegen. Aktuelle Labortests belegen, dass Weihnachtsgebäck, Milchreis sowie andere zimthaltige Lebensmittel stark mit dem krebserregenden und Leber schädigenden Cumarin belastet sind.

Mehr als die Hälfte der untersuchten Produkte liegt über dem zulässigen Grenzwert, der um das bis zu 40-fache überschritten wird. „Statt die einschlägigen Hersteller zu zwingen, die Gesetze einzuhalten, sprechen die Verbraucherminister Verzehrsempfehlungen aus”, erklärt Barbara Hohl von „foodwatch”. Politiker hatten Kindern zum Beispiel empfohlen, nicht mehr als vier Zimtsterne pro Tag zu essen. Die Sprecherin von „foodwatch” bezeichnet dies als zynisch. Denn gleichzeitig dürften die Kinder dann ja auch keine anderen Produkte zu sich nehmen, die Cumarin enthalten können, wie zum Beispiel Frühstücksflocken, Grießbrei und Kinderpunsch mit Zimt oder Lakritze.


Zimtsterne


Insgesamt hat „foodwatch” 28 Produkte auf Cumarin getestet. Drunter sind allein 11 Sorten Weihnachtsgebäck, wovon neun über dem Grenzwert liegen, welcher durch die bestehende Aromenverordnung vorgeschrieben wird und bei zwei Milligramm Cumarin pro Kilogramm Lebensmittel liegt. Auch Marken-Zimtsterne wie die der Firmen „Bahlsen” sowie „Lambertz” sind betroffen und überschreiten mit 28 beziehungsweise 36 Milligramm pro Kilogramm den Grenzwert um das bis zu Zwanzigfache. „Wer unbelastete Zimtsterne von ,Lambertz' essen möchte, sollte diese bei ,Aldi Süd' kaufen”, rät Barbara Hohl. Sie würden dort unter dem Namen der Firma „Crux” vertrieben und liegen im Test unter dem gesetzlichen Grenzwert.


Die „foodwatch”-Ergebnisse zeigen gleichwohl, dass die Hersteller den Grenzwert einhalten können. „Weil die Industrie die bereits produzierte Ware allerdings unbedingt absetzen will, unterstützen Horst Seehofer und seine Verbraucherminister der Bundesländer einen glatten Gesetzesbruch”, sagt Barbara Hohl. Statt die Ware aus dem Regal zu nehmen, würden diese die Gesundheit von Verbrauchern zum Schutze der Industrie schädigen.


Zusammen mit diesen Testergebnissen veröffentlicht „foodwatch” ein Hintergrundpapier zu Cumarin. Die Substanz kommt vermehrt in der Sorte „Cassia-Zimt” vor. Eine Cumarin arme Alternative ist übrigens der Ceylon-Zimt, den die Industrie aus Kostengründen aber kaum einsetzt.