Klarinetten aus dem Exil - 01. November 2006

Zwei der bedeutendesten Vertreter der Musik Israels stehen heute ganz im Mittelpunkt eines Konzerts, das von dem renommierten „Quartetto di Roma” zusammen mit dem mehrfach ausgezeichneten Klarinettisten Klaus Hampl gegeben wird. Im Rahmen des „Festivals der 1.000 Töne” (wir berichteten) gastieren sie im Kleinen Goldenen Saal.

Ben-Haim, der als Paul Frankenburger 1897 in München geboren wurde, war nach seinen Lehrjahren bei Bruno Walter und Hans Knappertsbusch in den Zwanzigern Kapellmeister am Augsburger Stadttheater. 1933 wanderte er nach Israel aus und wirkte dort als Komponist, Dirigent und Musiklehrer. Viele seiner Werke sind melodisch von der Folklore orientalischer Juden (Jemeniten, Bucharen usw.) beeinflusst, die Paul Ben-Haim seit 1936 systematische sammelte und erforschte. Kompositorisch versuchte er die Anregungen der Volksmusik mit europäischer Musiktradition zu verbinden. Durch sein Werk und seine Lehrtätigkeit wurde Paul Ben-Haim zum geistigen Vorbild einer ganzen Musikergeneration in Israel.


Der in Ostpreußen geborene Abel Ehrlich emigrierte nach dem Abitur in Königsberg zunächst ins kroatische Zagreb bis er 1938, aufgrund des sich auch in Jugoslawien verschlimmernden Antisemitismus, ins damalige Palästina floh. Abel Ehrlichs Werkkatalog umspannt nahezu alle Gattungen und er wurde zu einem der bedeutendsten Lehrer für die Kompositions- und Musiktheorie-Lehrer Israels. Auch Ehrlich suchte in seinem Werk den „kulturellen Dialog”, indem er die Verbindung misrachisch-orientalischer Einflüsse mit westlicher Musik sucht. 1997 wurde Abel Ehrlich mit dem Israel-Preis für Musik ausgezeichnet.


Dem Klarinettisten Klaus Hampl war Ehrlich durch mehrere Begegnungen freundschaftlich verbunden. Ihm widmete er ein Klarinettenquintett, das zu Lebzeiten des Komponisten nicht mehr aufgeführt werden konnte. Zusammen mit dem „Quartetto di Roma” wird er „Musik im Exil” auf die Bühne bringen, zwei Klarinettenquintette von Ehrlich und Ben-Haim. Beginn ist um 20 Uhr und es gibt sogar noch einige Restkarten an der Abendkasse (22 €). Zu Beginn des Konzerts hält Gernot Roemer übrigens eine kurze Einführung zu Paul Ben-Haim.


Gute Unterhaltung!