AIDS - Früherkennung ist lebenswichtig - 02. November 2006

Mit 1.197 neu diagnostizierten HIV-Infektionen im ersten Halbjahr 2006 stabilisiert sich die Zahl der HIV-Neudiagnosen auf dem hohen Niveau der beiden vorangegangenen Halbjahre 2005 (1.254 bzw. 1.232). Die Zahl der Neudiagnosen liegt damit zwar ca. 50 Prozent höher als in den Jahren 1999 bis 2001, steigt aber derzeit nicht weiter an.

„Das zeigt klar, dass hohe Meldebereitschaft, differenzierte Datenanalysen und Zielgruppen genaue Aufklärung nach wie vor unverzichtbar sind”, betont Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI). Der neue Halbjahresbericht mit umfangreichem Datenmaterial zu HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen ist jetzt im Epidemiologischen Bulletin des „RKI” veröffentlicht worden und auf dessen Internetseiten abrufbar.


Männer, die Sex mit Männern haben, stellen mit 62 Prozent aller Neudiagnosen nach wie vor die größte Gruppe. Jene, die ihre HIV-Infektion durch heterosexuelle Kontakte erworben haben und nicht aus Ländern mit hohen HIV-Raten stammen (Hochprävalenzländer) stellen mit 17 Prozent die zweitgrößte Betroffenengruppe. Die meisten dieser Infektionen fanden in Deutschland statt. Bei den heterosexuellen Männern, die sich im Ausland angesteckt haben (33 Prozent), wurden als Infektionsregionen in erster Linie Südostasien und gleich danach Subsahara-Afrika genannt, während sich die im Ausland infizierten Frauen (19 Prozent) vor allem in Subsahara-Afrika infiziert haben.


Erfreulicherweise waren unter den sieben entdeckten Mutter-Kind-Übertragungen keine, die auf eine fehlende Testung der Mutter in einer Schwangerschaft hierzulande seit Anfang 2005 zurückzuführen wäre. Anfang '05 hatte das „RKI” in einem Schreiben an niedergelassene Frauenärzte in Deutschland darauf hingewiesen, dass allen Schwangeren ein HIV-Test schon im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen empfohlen werden sollte.


Die Gesamtzahl der seit Beginn der Epidemie an das AIDS-Fallregister am „RKI” berichteten am Vollbild AIDS erkrankten Personen steigt auf 24.620. Es gibt jedoch erhebliche regionale Unterschiede bei der Vollständigkeit der Meldung von AIDS-Erkrankungen. Da die Erfassung von AIDS-Fällen und Todesfällen bei HIV-Infizierten wertvolle Hinweise auf Probleme in der klinischen Versorgung geben kann, sollten in jedem Fall alle in der Versorgung von HIV- und AIDS-Patienten tätigen Ärzte AIDS-Fälle und Todesfälle bei HIV-Infizierten ans (freiwillige) AIDS-Fallregister am Robert Koch-Institut melden.


Wird die Infektion nicht rechtzeitig beim Auftreten gesundheitlicher Probleme diagnostiziert, kann sich der Zustand der Patienten so weit verschlechtern, dass eine dann schließlich nach erfolgter HIV-Diagnose eingeleitete Behandlung zu spät beginnt und der Tod eines Patienten nicht mehr verhindert werden kann. Die Analyse zeigt, dass etwa ein Drittel der Todesfälle möglicherweise auf das zu späte Erkennen einer HIV-Infektion zurückzuführen sind.