Hat Fisch bald Seltenheitswert? - 06. November 2006

Ab Mitte dieses Jahrhunderts ist Schluss mit Fisch aus dem Meer! Dies ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie, die jetzt von einer Forschergruppe an der Dalhousie-Universität in Halifax/Kanada im renommierten Wissenschaftsblatt „Science” veröffentlicht wurde. Nach Meinung der Forscher ist der Prozess aber noch zu stoppen.

Wenn der Raubbau am Meer ungehindert so weitergehe wie bisher, schreiben die Forscher, dürfte dies das letzte Jahrhundert mit in Wildnis gefangenem Fisch sein. Der Grund für den totalen Zusammenbruch im Meer: Seit Beginn der Industrialisierung ist die Artenvielfalt im Meer deutlich zurückgegangen. In der Folge sank stetig auch die Produktivität der Ozeane. Deutlich wird das unter anderem dadurch, dass trotz kontinuierlich steigendem Aufwand in der Fischerei die Erträge aus dem Meer unaufhaltsam zurückgehen.


Fischfang in einem Fischernetz der franzoesischen Gespantrawler Le Baron und Magellan im Aermelkanal. Seebarsch im Netz.


Der Artenschwund bedroht das Gleichgewicht, welches zwischen den maritimen Bewohnern herrscht. Die Fähigkeit, Verluste auszugleichen, geht verloren. Und Krankheiten können viel größeren Schaden anrichten. Nach Meinung der Forscher ist der Prozess noch zu stoppen, ja sogar umkehrbar. Meeresschutzgebiete können diesem Artenschwund Einhalt gebieten. Dort müssten allerdings konsequent alle Arten geschützt werden. Derartige Schutzgebiete fordert auch „Greenpeace” seit geraumer Zeit.


„Greenpeace”-Meeresexpertin Stefanie Werner erklärt zu dem neuen Bericht: „Seit Jahren geistern Hiobsbotschaften wie zum Beispiel ,90 Prozent der großen Meeresräuber sind durch den Menschen bereits ausgerottet' durch die Medien, beschäftigen die Wissenschaftler und Umweltschützer. Auf der anderen Seite wissen die meisten Menschen nach wie vor nicht, wie gravierend die Krise der Meere tatsächlich ist. Letzte gesunde Fischbestände wie etwa der Gelbflossentun im Zentralpazifik zeigen alarmierende Zeichen von Überfischung und andere Arten wie der rote Tun oder der Ostseedorsch stehen kurz vor dem endgültigen Aus.”


„Egal, ob Fisch unheimlich gesund ist: das sind andere Lebensmittel auch”, so Werner. „Fakt ist, dass wir unseren Fischkonsum stark einschränken müssen, sonst ist die Wiege unseres Lebens bald entvölkert. Wir haben nur diese Meere, und es ist an uns, ihre Bewohner nicht nur willkürlich zu nutzen, sondern auch zu schützen.”