Private Haushalte verbrauchen immer mehr Energie - 16. November 2006

Private Haushalte gehen noch immer zu verschwenderisch mit Energie und Fläche um. Das belegen Daten aus der Umweltökonomischen Gesamtrechung des Statistischen Bundesamts, die gestern auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Umweltbundesamt (UBA) in Berlin vorgestellt wurden eindeutig.

Danach ist der Energieverbrauch bundesdeutscher Haushalte für Wohnen von 1995 bis 2005 um 3,5 Prozent gestiegen. Neben größeren Wohnflächen ist ein weiterer Grund hierfür die steigende Ausstattung der Haushalte mit Elektrogeräten. „UBA”-Präsident Professor Andreas Troge: „Sollte unser Energiehunger weiter wachsen, so könnten wir dem Klimawandel kaum begegnen. Wir müssen in Deutschland den gesamten Energiebedarf bis 2050 halbieren. Die privaten Haushalte können dazu einen wichtigen Beitrag leisten.” Denn auch beim erhöhten Flächenverbrauch ist keine Trendwende in Sicht: In den vergangenen zehn Jahren wuchs die Wohnfläche für private Haushalte um etwa 13 Prozent.


Vor allem beim Stromverbrauch sind die Potenziale zum Sparen bislang nur unzureichend ausgeschöpft: Allein die Leerlaufverluste bei den Elektrogeräten - wie TV und Computer - betragen derzeit in den Privathaushalten 17 Milliarden Kilowattstunden (kWh) pro Jahr. Das entspricht Stromkosten von 3,3 Milliarden Euro. Bereits ein Netzschalter, welcher elektrische Geräte vollständig vom Stromnetz trennt, kann helfen, Leerlaufverluste zu vermeiden.


Ebenso bei der „Weißen Ware” - zum Beispiel Kühl-Gefrierkombinationen, Waschmaschinen und Geschirrspüler - gibt's erhebliche Sparpotenziale. Da sind mit Hilfe effizienter Techniken jährliche Einsparungen in Höhe von ca. sieben Milliarden Kilowattstunden möglich, dies sind etwa 5,8 Prozent des Stromverbrauchs der Haushalte.


Um den Stromverbrauch der Elektrogeräte zu verringern, schlägt das Umweltbundesamt auf EU-Ebene rechtlich verbindliche Effizienzstandards für solche Geräte vor. Diese Standards sollten sich nach dem durchschnittlichen Stromverbrauch des besten Viertels der auf dem Markt verfügbaren Geräte richten. Die Hersteller und Importeur müsste nach mehrjähriger Anpassungsfrist die Standards für seine Geräte einhalten. Erfüllte ein Hersteller die neuen Effizienzstandards innerhalb der Frist nicht, drohten - je nach Gestaltung des Gesetzes - ein Bußgeld und/oder ein Verkaufsverbot. Diese Lösung lässt sich allerdings nicht im nationalen Alleingang durchsetzen; hier ist wegen des EU-Binnenmarkts eine EU-Regelung erforderlich.


Nahezu 60 Prozent des Energiebedarfs - vor allem für die Raumwärme - lassen sich bei Wohngebäuden, die bis Ende der 70er entstanden sind, einsparen. Die dazu notwendigen Investitionen, etwa zur Wärmedämmung oder zur Erneuerung der Heizung, amortisieren sich oft bereits in weniger als zehn Jahren. Bislang haben Vermieter jedoch kaum Anreize, in Energiespartechnik für ihre Wohnungen zu investieren. Der Grund: Vermieter können die Kosten für Energiespar-Investitionen im Allgemeinen bloß mit jährlich elf Prozent auf die Kaltmiete umlegen. Um das „Investor-Nutzer-Dilemma” aufzuheben, sollte der Gesetzgeber - nur für Energieeinsparinvestitionen - eine höhere Umlage als elf Prozent zulassen. Zum Schutz der Mieter müsste sie befristet und gestaffelt nach dem Einsparerfolg angelegt sein. Ferner sollte die Regierung das „KfW-CO2-Gebäudesanierungsprogramm” auch in Zukunft in mindestens gleicher Intensität fortführen.


Eine entscheidende Ursache für den Anstieg des direkten Energieverbrauchs der Haushalte ist die Zunahme der Wohnfläche, die private Haushalte nutzen. Die Entwicklung ist auch auf demografische Veränderungen zurückzuführen: Die Menschen werden immer älter; immer mehr Senioren leben allein. Die Zahl der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte wuchs zwischen 1995 und 2004 um jeweils zwölf Prozent. Der Energieverbrauch pro Haushaltsmitglied ist in einem Single-Haushalt fast doppelt so hoch wie im Drei- und Mehr-Personen-Haushalt.


Die Versorgung dieser Wohnungen mit Energie, Bau und Instandhaltung der Verkehrs- und sonstigen Infrastruktur für die Anbindung der Wohnungen an die Städte beanspruchen die natürlichen Ressourcen stark. Um diese zu schonen, sollte nach Meinung des „UBA” die Modernisierung bestehender Gebäude - vor allem in den Städten - Vorrang vor einem Neubau haben. Professor Andreas Troge: „Wir müssen mehr Wert auf die Entwicklung der Innenstädte und die energetische Modernisierung unserer Altbauten legen, anstatt weitere Bauten auf die ,Grüne Wiese' zu setzen. Eine teure Infrastruktur mit langen Verkehrswegen, die immer weniger Menschen nutzen, können wir uns nicht mehr leisten.”