Wie durch die Wände von Kathedralen - 16. November 2006

Es kann dem Komponisten eigentlich nichts Besseres passieren, als dass seine Werke beim Publikum ankommen. In besonderer Weise schaffen das die Werke Giya Kanchelis: man will sie hören, immer und immer wieder. Heute kann man Kanchelis Werk „Wie durch die Wände von Kathedralen” live im Haus St. Ulrich erleben. Gute Unterhaltung!

„Vielleicht wird man einmal jenen Komponisten der letzten 50 Jahre am dankbarsten sein, die mit der Stille am virtuosesten umzugehen wussten”, schrieb die „SZ” im Sommer zum gefeierten Auftritt von Alexander Liebreich mit den Münchner Philharmonikern mit Kanchelis Werk „Trauerfarbenes Land”.


Kancheli, 1935 in Georgien geboren, führt in eine musikalische Welt, die seine Heimatkultur widerspiegelt und dabei von tief religiösem Gehalt ist. Das Ziel seiner Kompositionen ist die Menschlichkeit in der Musik: „Indem ich mir all das, was um mich herum geschieht, sehr zu Herzen nehme, versuche ich, in meiner Musik einen Seelenzustand auszudrücken, den ich fühle.” Und so zeichnet sich in seinen Werken immer wieder ein „roter Faden” ab, der bald von weitem „wie durch die Wände von Kathedralen” zu uns dringt, bald ganz dicht an uns herankommt und eine volle, reich entfaltete Vielstimmigkeit erreicht.


Kancheli


Kancheli verließ im Jahr 1991 seine Heimat Georgien und lebt seither mitsamt Familie in Westeuropa, erst in Berlin, seit 1996 in Antwerpen. Themen wie Fremdheit, Heimatverlust, das Exil sind Konstanten in Giya Kanchelis Schaffen der letzten 15 Jahre, das, durch tonale Grundhaltung und einen fragenden, den Klängen nachhorchenden Gestus gekennzeichnet ist: Kancheli zitiert nicht, seine Formen und Klänge, seine musikalische Haltung und seine Bilder sind wie von ferne verwandt mit den Klängen seines Landes, zu deren Sphäre es keine Heimkehr gibt.


Heut' laden die Hochschule für Musik und das Akademische Forum der Diözese Augsburg ins Haus St. Ulrich (Kappelberg 1) zu diesem außergewöhnlichen Konzert ein. Die Veranstaltung in der Reihe „Komponist und Interpret” beginnt um 19 Uhr.